Es gibt kein gut genug

Wir müssen jeden Tag 100% geben, denn der andere muss nur einmal Glück haben. Deswegen gibt es kein „gut genug“. Du bist niemals fit genug, vorbereitet genug oder trainiert genug.

Gerade dann nicht, wenn du einer Behörde angehörst.

Nur weil du bisher „gut genug“ warst, heißt das nicht, dass du es auch morgen bist. Wer rastet, der rostet. Dieses Sprichwort ist nicht umsonst so treffend. Keiner weiß, ob dort draußen nicht jemand auf uns wartet, um uns eines besseren zu belehren.

Deswegen kannst du nie fit genug für das echte Leben sein. Es geht nicht darum, dass du in jedem Workout der Beste bist. Es geht darum, dass du am Ende des Tages derjenige bist, den dein Partner neben sich haben will. Egal ob im Steifendienst, bei der Demo, auf der Autobahn, im Einsatz.

Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen. Ich war 2011 auf einem Lehrgang für Scharfschützen im österreichischen Hochgebirge. Ich habe zu dem Zeitpunkt bereits trainiert und fühlte mich fit. Schließlich habe ich die fordernde Ausbildung zum Scharfschützen erfolgreich absolviert. 

Einige der Jungs mit denen ich dort war, haben deutlich weniger trainiert als ich. Bis dato hatte ich nie das Gefühl, dass mich mein Körper im Stich lassen würde. Schließlich trainierte ich ja. 

Eines Nachmittags hatten wir eine simulierte Observation mit anschließendem bekämpfen feindlicher Stellungen. Steilfeuer lenken, einzelne Ziele in den verschiedenen Trupps vernichten. Unsere Ausbilder hatten sichtlich Spaß dabei uns psychisch zu testen. Das war allerdings nur der Beginn. Wir hatten danach den Auftrag, in ein Tal abzusteigen und dort Aufklärung zu betreiben. Mit unseren schweren 30kg Rucksäcken ging es also nach unten – eine leichte Sache mit meiner körperlichen Verfassung. Im Tal angekommen, bekämpften wir weitere Ziele, bis unser Ausbilder einen simulierten Mörserangriff startete und es um uns herum nur so knallte. 

Ausweichrouten wurden im Funk durchgegeben und wir hatten Befehl in einer vorgegebenen Zeit einen Höhenkamm zu erreichen. Also ging es überschlagend nach oben – und wie es eben so ist, kam ein simulierter Verwundeter dazu. Abwechselnd trugen wir den Verwundeten, führten weiterhin das Gefecht. 

Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich, ich sei fit. Fitter als die anderen. Ich erinnere mich nur noch Bruchstückhaft an das, was in den Minuten des Aufstieges, die sich wie Stunden anfühlten, passierte. Ich hatte meine persönliche Ausrüstung, den Rucksack mit dem Scharfschützengewehr, Munition, Ausrüstung und Wasser. Jeder Schritt wurde immer schwerer und ich bin immer weiter hinter die Gruppe gefallen, die sich immer weiter den Weg nach oben gebahnt hat. Man hat mich schon nicht mehr zum tragen des Verwundeten eingeteilt (wir waren eine Gruppe von 6 Mann). Doch alle haben es durchgehalten. Außer mir. Ich bin irgendwann einfach liegen geblieben. Auf allen vieren diesen verdammten Berg hochgekrochen. 

Mein Ausbilder, der bestimmt 20 Jahre älter war als ich, 21-jähriger Jungspund, kam wie eine Gazelle zu mir runter, hat mir wortlos den Rucksack abgenommen und ist damit zurück zur Hauptgruppe. Ich habe mich in Grund und Boden geschämt. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Niemals. Ich habe mir an diesem Tag geschworen, nie wieder zu denken, ich sei gut genug. Denn das sind wir, zumindest körperlich, nie. 

Ich hatte Glück. Glück, dass ich diese Erkenntnis in einer sicheren Umgebung hatte und nicht im Einsatz. Dort hatte ich das Glück, zu sehen, das mir dieses Mantra „es gibt kein gut genug“, das Leben gerettet hat. Im echten Leben gibt es keine zweiten Chancen. There is no respawn.

Felix

CEO Blackout the Limit